Die Fürsorge für die Sterbenden und Toten wurde schon seit der Antike oft als ein Kennzeichen christlicher Gemeinden gesehen. Statt den Tod zu verdrängen, zu verstecken oder zu verschweigen, ist er in der christlichen Tradition ein Bestandteil des Lebens. Unsere Lebenszeit ist begrenzt und hat dadurch ihren besonderen Wert. „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“, heißt es im Gebet des Psalm 90. Der Tod soll kein ungeplanter Abbruch sein, sondern ein Punkt auf den man bewusst und hoffnungsvoll zugehen kann. Wir glauben, dass der Tod nicht das letzte Wort behält und dass alle, die gestorben sind, Gottes Kraft und Liebe erleben werden.

Sterbenden und ihren Angehörigen beizustehen, ist deshalb auch unserer Kirchengemeinde ein wichtiges Anliegen. Dazu gehören Besuche bei schwer Kranken, Sterbenden und Trauernden ebenso wie die Gestaltung der Trauerfeier und Rituale der Erinnerung.

Vielen Sterbenden hilft es, in den letzten Tagen oder Stunden noch einmal ein seelsorgerliches Gespräch führen zu können, das Abendmahl zu feiern oder gemeinsam zu beten. Auch für die Angehörigen ist es oft erleichternd, wenn der Pastor oder die Pastorin von außen kommt und in einer oft sprachlos machenden Situation Worte findet.

Unmittelbar nach dem Tod ist das Ritual der Aussegnung für viele Trauernde hilfreich. Der Pastor oder die Pastorin kommt dazu an den Sterbeort und hält eine kurze Andacht. Viele Angehörige empfinden es als hilfreich, mit dem Verstorbenen noch Zeit zu verbringen und Ruhe zu haben für einen ganz persönlichen Abschied, bevor der Bestatter den Toten abholt.

Die Trauerfeier folgt einige Tage nach dem Tod, bei einer Urnenbestattung auch einige Wochen später. Um sie vorzubereiten, vereinbart der Pastor oder die Pastorin einen Termin mit den Angehörigen. Wünsche für die Trauerfeier und der Lebenslauf des Verstorbenen werden dabei besprochen.

Eine evangelische Trauerfeier hat einen festgelegten Rahmen, der hilft, im Moment des Abschieds Halt und Trost zu finden. Die Trauerfeier ist ein Gottesdienst, der weit über eine private Erinnerungsstunde hinausgeht. In der Trauer, die oft einsam macht, soll Gemeinschaft erlebbar werden. Lesungen aus der Bibel bringen die christliche Hoffnung zur Sprache. Gebete drücken aus, was in Klage und Verzweiflung, aber auch in Liebe und Dankbarkeit Gott anvertraut wird. Die Predigt verbindet die Erinnerung an das Leben des Verstorbenen mit der Botschaft des Evangeliums. Zur evangelischen Tradition gehört auch, dass die Toten nicht „sang- und klanglos“ verabschiedet werden. Das Läuten der Glocken und das gemeinsame Singen sind deshalb Teil jeder kirchlichen Trauerfeier.

Am Sonntag, der auf die Trauerfeier folgt, wird dann im Gottesdienst der Gemeinde noch einmal an den Verstorbenen und die Angehörigen gedacht.

Der letzte Sonntag des Kirchenjahres, der Totensonntag, ist besonders der Erinnerung an die Verstorbenen gewidmet. Alle, die im vergangenen Jahr kirchlich bestattet wurden, werden noch einmal namentlich genannt und für die Angehörigen wird gemeinsam gebetet.